Agenten-Frameworks im Überblick: Wann sich welches Werkzeug lohnt
Agenten-Frameworks versprechen, KI-Agenten schneller zu bauen: Sie bringen Werkzeugschleife, Speicher, Anbindung an Datenquellen und oft auch Mehr-Agenten-Abläufe fertig mit. Ob sich das lohnt, hängt vom Projekt ab. Für einfache Agenten reicht oft das SDK des Modellanbieters.
Welche Arten es gibt
- Agenten-SDKs der Modellanbieter: OpenAI, Anthropic und Google bieten eigene Bibliotheken für Agenten. Sie sind eng auf die jeweiligen Modelle abgestimmt und meist schlank.
- Anbieterunabhängige Bibliotheken: Sie bündeln viele Modelle und Datenquellen hinter einer Schnittstelle und eignen sich, wenn Sie das Modell wechseln wollen.
- Graph- und Workflow-Frameworks: Abläufe werden als Zustände und Übergänge modelliert. Das macht komplexe Prozesse mit Verzweigungen, Wiederaufnahme und menschlicher Freigabe beherrschbar.
- Mehr-Agenten-Frameworks: Mehrere spezialisierte Agenten mit Rollen arbeiten zusammen oder übergeben Aufgaben.
- Low-Code-Plattformen: Agenten werden grafisch zusammengeklickt, etwa in Microsoft Copilot Studio. Ein Einstieg dazu steht unter Was ist Copilot Studio.
Was Frameworks abnehmen
- die Werkzeugschleife inklusive Fehlerbehandlung
- Anbindung an Werkzeuge, oft auch über das Model Context Protocol
- Speicherung von Gesprächsverlauf und Zwischenständen
- Protokollierung und Nachverfolgung einzelner Schritte
- Bausteine für RAG, also Suche in eigenen Dokumenten
Wo sie stören können
Abstraktion hat einen Preis. Wer nicht sieht, welcher Prompt tatsächlich beim Modell ankommt, sucht Fehler lange. Manche Frameworks ändern ihre Schnittstellen häufig, sodass Updates Arbeit machen. Zudem fügen einige Bibliotheken eigene Anweisungen hinzu, die Tokens kosten. Prüfen Sie deshalb immer, ob sich die gesendeten Anfragen protokollieren lassen; siehe LLM-Observability.
Auswahlkriterien
- Sie nutzen nur einen Modellanbieter? Dann reicht oft dessen eigenes Agenten-SDK.
- Ein Modellwechsel ist absehbar? Dann spricht viel für eine anbieterunabhängige Bibliothek.
- Lange Abläufe mit Freigaben und Wiederaufnahme? Hier spielen Graph- und Workflow-Frameworks ihre Stärken aus.
- Die Fachabteilung soll selbst bauen? Dann ist eine Low-Code-Plattform meist der realistischere Weg.
Weitere Kriterien sind aktive Pflege, verständliche Dokumentation, Lizenz, Unterstützung für Ihre Programmiersprache und die Möglichkeit, Teile wieder herauszulösen.
Empfehlung für den Start
- Erst die Werkzeugschleife selbst bauen, wie in KI-Agenten programmieren beschrieben. So verstehen Sie, was später das Framework tut.
- Aufgabe, Werkzeuge, Grenzen und Freigaben schriftlich festhalten. Der Agenten-Steckbrief gibt dafür eine Vorlage.
- Erst wenn der eigene Code unübersichtlich wird, ein Framework einführen und mit einem kleinen Anwendungsfall testen.
Wichtige Fragen vor der Entscheidung
Bevor Sie sich festlegen, lohnt ein kleiner Probeaufbau mit Ihrem echten Anwendungsfall. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:
- Lässt sich jede Anfrage an das Modell vollständig einsehen, inklusive aller hinzugefügten Anweisungen?
- Können Sie Werkzeuge mit eigenen Berechtigungsprüfungen versehen?
- Gibt es eine Möglichkeit, vor kritischen Aktionen auf eine menschliche Freigabe zu warten?
- Wie aufwendig wäre ein Ausstieg, falls das Projekt nicht mehr gepflegt wird?
Mehr-Agenten-Systeme mit Vorsicht
Mehrere Agenten, die sich gegenseitig Aufgaben zuschieben, wirken elegant, vervielfachen aber Kosten und Fehlerquellen. Häufig löst ein einzelner Agent mit guten Werkzeugen dieselbe Aufgabe zuverlässiger. Was Agenten pro Auftrag kosten, zeigt der Ratgeber Kosten von KI-Agenten.
Erstellt mit Unterstützung von KI, geprüft und redaktionell verantwortet von Leon Blatz. Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.