KI in der Arztpraxis: Entlastung bei Verwaltung und Dokumentation
KI in der Arztpraxis kann vor allem bei Verwaltung und Texten entlasten: Patienteninformationen, Aushänge, Antworten auf Standardanfragen oder Entwürfe für Schreiben. Sobald Gesundheitsdaten ins Spiel kommen, gelten aber strenge Regeln aus Datenschutz und ärztlicher Schweigepflicht.
Einsatzfelder ohne Patientendaten
- Patienteninformationen zu Vorsorge, Impfungen oder Abläufen in verständlicher Sprache
- Texte für Website, Aushänge und Praxisnewsletter
- Übersetzungen allgemeiner Hinweise für Patientinnen und Patienten mit anderer Muttersprache
- Arbeitsanweisungen und Checklisten für das Praxisteam
- Vorlagen für Antworten auf häufige Anfragen per Mail
Diese Aufgaben sind unkritisch, solange keine personenbezogenen Daten verwendet werden. Ein Hinweis: Medizinische Inhalte aus der KI müssen ärztlich geprüft werden, denn Sprachmodelle können plausibel klingende Fehler machen.
Dokumentation und Arztbriefe
Viele Praxen interessieren sich für KI, die Gespräche transkribiert oder Arztbriefe vorformuliert. Hier geht es um Gesundheitsdaten, also besondere Kategorien nach Art. 9 DSGVO. Zusätzlich gilt die ärztliche Schweigepflicht, deren Verletzung nach § 203 StGB strafbar sein kann. Daraus folgt:
- Keine allgemeinen Chatbots mit privaten oder einfachen Business-Konten für Patientendaten.
- Spezialisierte Lösungen nur mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO, klaren Angaben zum Speicherort und zur Datenverwendung.
- Datenschutz-Folgenabschätzung prüfen, wenn umfangreich Gesundheitsdaten verarbeitet werden.
- Patienten informieren, insbesondere wenn Gespräche aufgezeichnet werden.
- Ergebnisse prüfen: Jeder Brief und jeder Eintrag wird ärztlich kontrolliert, bevor er in die Akte geht.
Wer allgemeine Fallbeispiele mit KI bearbeiten will, etwa für Fortbildungen, sollte Namen, Daten und seltene Merkmale vorher entfernen. Der Anonymisierer hilft bei Namen und Kontaktdaten; vollständige Anonymität garantiert er nicht.
Diagnose und Therapie
Software, die Diagnosen oder Therapieentscheidungen unterstützt, kann als Medizinprodukt gelten. Für KI in solchen regulierten Produkten greifen nach der KI-Verordnung die Hochrisiko-Pflichten für Anhang I, die nach der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 ab dem 2. August 2028 gelten. Für Praxen bedeutet das vor allem: nur zertifizierte Produkte für medizinische Zwecke einsetzen und allgemeine Chatbots nicht für Diagnosen nutzen. Mehr zu den Klassen im Ratgeber KI-Risikoklassen.
Patientenkommunikation
Ein Chatbot auf der Praxis-Website kann Öffnungszeiten, Anfahrt und Abläufe erklären. Er muss als KI erkennbar sein und darf keine medizinische Beratung vortäuschen. Tipps im Ratgeber KI-Chatbot für die Website.
Erste Schritte für das Praxisteam
Klären Sie schriftlich, welche Dienste erlaubt sind und welche Daten nie hineingehören. Schulen Sie das Team, wie es die KI-Verordnung mit der KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 vorsieht; der Schulungsnachweis-Generator hilft bei der Dokumentation. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
Beispiel: Patienteninformation in einfacher Sprache
Schreibe eine Patienteninformation zur Vorbereitung auf eine
Darmspiegelung. Zielgruppe: Erwachsene ohne medizinisches Vorwissen.
Einfache Sprache, kurze Sätze, Schritte als nummerierte Liste.
Keine Dosierungsangaben, stattdessen Platzhalter [LAUT PRAXIS].
Die Platzhalter sorgen dafür, dass praxisspezifische und medizinisch heikle Angaben von der Ärztin oder dem Arzt eingesetzt werden und nicht aus der KI stammen.
Dasselbe Prinzip hilft bei Aushängen, Recall-Schreiben und Hinweisen zu Sprechzeiten: Die KI liefert Struktur und verständliche Sprache, das Praxisteam setzt Termine, Telefonnummern und medizinische Details ein. Ob ein Text wirklich leicht verständlich ist, zeigt das Werkzeug Einfache Sprache prüfen.
Erstellt mit Unterstützung von KI, geprüft und redaktionell verantwortet von Leon Blatz. Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.